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Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

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Reisebericht Sicilia

21.07-31.07.2019

Ankunft in Palermo

Um 0500 Uhr begannen die meisten Deckmitarbeiter mit ihrer Schicht. So war auch für uns nicht mehr an Schlaf zu denken. Nach einem „wunderbaren“ Frühstück, parkte die Fähre langsam im Hafen von Palermo ein.

Noch etwas belämmert von der unruhigen Nacht, setzte sich Raphi hinter das Steuer vom Bus und fuhr aus dem Schiffsbauch. Nach ca. 20 Sekunden war er bereits hell wach, da der Verkehr in Palermo doch etwas lebendiger als in Schweizersholz war.

Bei der Einfahrt in die Hauptstadt von Sizilien wurde uns schnell klar, dass wir so schnell wie möglich aus dieser überfüllten Stadt verschwinden wollen. Zuerst musste jedoch alles aufgefüllt bzw. geleert werden. Anschliessend tauchten wir wieder in den italienischen Verkehrsstrom ein und fuhren Richtung Küste. Wir bemerkten relativ schnell, dass diese Insel nicht zu vergleichen mit Sardinien ist. Die Population ist um ein Vielfaches grösser als auf der kleinen Nachbarinsel. Man hat eher den Eindruck sich in einer urbanen Grossstadt zu bewegen als auf einer mediterranen Mittelmeerinsel. Die Strassen waren verstopft. Auf den Badestränden räckelten sich tausende von Badelustigen. Fast schon Schenkel an Schenkel schwitzten diese Massen unter einem Meer von farbigen Sonnenschirmen. Dies entspricht leider nicht gerade unserer Vorstellung von einem bezaubernden Strandaufenthalt. Aus diesem Grund ergriffen wir die Flucht und fuhren ohne Ziel an der Westküste Richtung Süden gegen die Stadt Trapani zu.

 

 

Der grosse Knall von Trapani

Nach einiger Zeit konnten wir diesem Wahnsinn entfliehen. Etwas Ruhe und Gelassenheit kehrten in uns auf. Wir schmiedeten somit eine grobe Route. Die Idee war, durch Trapani zu fahren und die Insel dann langsam zu umrunden. Am Schluss wollten wir natürlich noch den Vulkan erleben. Doch unser Büssli hatte andere Pläne mit uns vor. Während der Umrundung eines Verkehrskreisels krachte es plötzlich heftig aus der Hinterachse. Nach den anschliessenden Schlaggeräuschen lief es uns bei knapp 40 Grad, fast kalt den Rücken hinunter. Sofort rollten wir in die nächste Seitengasse. Der Kraftschluss vom Antriebsstrang war nur noch bedingt vorhanden. Nach kurzer Sichtkontrolle wurde schnell klar was das Problem war. Die Befestigungsschrauben der Antriebswelle hinten rechts hatten sich gelöst. Einzelne Schrauben waren sogar abgeschert. Ebenso ergaben sich Folgeschäden an den Manschetten der Gleichlaufgelenke. Schön ist immer das solche Sachen fast ausschliesslich am Wochenende passieren. Raphi musste desshalb eine Notoperation durchführen, damit wir wieder ein wenig weiter rollen konnten. Am Montagmorgen machten wir uns auf die Suche nach einer Garage, um die Reparatur vollumfänglich durchzuführen. Leider waren alle Betriebe mehr als überlastet und wir konnten erst am Mittwoch einen Platz in einer Hinterhofgarage ergattern.

 

 

Der Bus wird wieder auf Vordermann gebracht

Um die Tage zu überbrücken, fuhren wir auf einen nahegelegenen Berg. Dort befanden sich die Temperaturen etwas unterhalb von 40°C. Wir entdeckten einen wundervollen Platz, auf dem wir ungestört verweilen konnten. Wir nutzten die Zeit, um einiges Filmmaterial zu verarbeiten und Texte zu schreiben. Am Mittwoch konnten wir dann in die Bastlerwerkstatt, um die Reparatur zu vervollständigen. In der Werkstatt musste Raphi etwas schmunzeln: erst 1000km von der Schweiz entfernt und schon wird wie im hintersten Russland gearbeitet. Zudem gestaltete sich die Kommunikation sehr lebendig. Mit Händen und Füssen erklärte Raphi was repariert werden musste. Irgendwie und irgendwann kam man dann doch noch zum Ziel und der Bus war wieder einsatzbereit.

 

 

Süditalien und der Müll

 

Da wir relativ lange in dieser Ecke von Sizilien verbrachten, entschieden wir uns für eine direkte Weiterfahrt, an der Nordküste, Richtung Ätna. Bereits bei der Anfahrt von Palermo ist uns immer wieder der verteilte Müll am Strassenrand aufgefallen. Doch das, was wir auf den folgenden Strecken entdeckten war für uns wirklich unfassbar. Es wirkte fast so wie früher am Sonntagabend des SG Openairs. Nur hatte es hier auch ganze Kühlschränke, Matratzen, Lavabos, Bauschutt etc. etc. überall verteilt – einfach nur traurig.

Um diesem Müll und den verstopften Hauptstrassen zu entkommen, benutzten wir wieder einige Wald- und Forstwege. In den folgenden Tagen durchquerten wir die Nordpassage der Insel. Sehr trockene Ackerböden und braune Felder zeichneten die Landschaft. Auf halber Strecke veränderte sich die Umgebung rassant und wechselte ins Grüne. Grosse Wälder, welche willkommenen Schatten spendeten, begrüssten uns auf unserem Weg. Herrliche Pisten öffneten sich uns und wir waren wieder voll in unserem Element.

 

 

Der Ätna

Auf einmal war er da – DER ÄTNA! Dies war unser Hauptziel auf dieser Insel. Gespannt beobachteten wir den Koloss von weitem und genossen die atemberaubende Aussicht auf den Vulkan. Kurzentschlossen fuhren wir durch die Wälder Richtung Krater los. Da es schon eher spät war, legten wir noch einige Meter in der Dunkelheit zurück. Den Bus parkierten wir am Wegrand des kaum befahrenen Pfades. Beim Kochen des Abendmahls hörten wir aus der Ferne irgendwelche komischen Geräusche. In der Weite sahen wir ein Feuerwerk und dachten das dies wohl der Ursprung der Geräuschentwicklung war. In der Nacht hörten wir aber immer wieder dieses dumpfe unregelmässige Grollen. Nadine wurde leicht nervös wegen dem Vulkan, der sich in der Nähe befand. Raphi meinte nur, dass das Gebiet mit Sicherheit gesperrt wäre, falls der Vulkan vor einer Eruption stände. Am nächsten Morgen kam dann die grosse Überraschung. Am Boden war kein Kies zu sehen, sondern erkaltetes Magma, welches vor langer Zeit ausgestossen wurde. Somit wurde uns bewusst, dass wir nicht in der Nähe, sondern bereits auf dem Vulkan geschlafen haben. Später erfuhren wir, dass der Vulkan, zwei Tage zuvor eine starke Eruption hatte.

Am nächsten Tag war sehr früh Tagwache. Mit der Morgensonne im Rücken wanderten wir Richtung Nordkrater. Dies ist neben dem Süd- einer der Hauptkrater. Der Gipfel liegt auf ca. 3300müM. Damit die hiesigen Bergführer auch genügend Aufträge bekommen, sind keinerlei Wegweiser oder Wege vorhanden. Somit entschlossen wir uns eine eigene Variante der Besteigung zu wählen. Der Aufstieg erwies sich als äusserst zäh und langatmig. Man läuft auf einer Mischung von Staub, Sand, Kiesel und Steinen. Dies ist vom Kräfteaufwand in etwa zu vergleichen mit einem Hang voll Tiefschnee. Die ganze Bodenbeschaffenheit ist jedoch komplett andersartig aufgebaut, als ein herkömmlicher Berg in den Alpen. Raphis Wissen über Schneehänge und allgemeines Bergsteigen konnte hier nicht wirklich angewendet werden. Man muss wirklich umdenken. Bei gewissen Passagen wo man im Tiefschnee z.B. am Rand gehen würde, muss man hier besser weit weg von diesem sein etc. etc.

Nach dem wir ca. 5h lang Steilhänge hochstapften, erreichten wir das erste Plateau. Hier legten wir uns auf den schwarzen Untergrund und ruhten uns, bei einem kleinen Snack, aus.

Die nächste Etappe fiel noch etwas steiler aus. Die Bodenbeschaffenheit verdichtete sich jedoch ein wenig, was das weitergehen leichter machte. Ebenso war jetzt auch der Gipfel in Sicht, was die Motivation etwas ankurbelte. Meist sieht man vom Tal aus, dass der Gipfel vielfach mit Wolken umhangen ist. Wir fragten uns dauernd ob das wohl Wolken oder Gase vom Vulkan sein würden. Im obersten Teil vom Vulkan wird einem relativ schnell bewusst, dass dies keine Wetterwolken sind. Für uns hat es bis zum Himmel nach Schwefel gestunken. Dies hat dazu geführt, dass Raphi etwa 20 Meter unter dem Kraterrand wieder umkehren musste. Der eingeatmete Schwefeldampf verursachte unerträgliche Hustanfälle.

Etwas abgestiegen, setzten wir uns nochmals hin und genossen die sensationelle Aussicht bis hinunter auf die Badestrände und das endlose Meer am Horizont - unglaublich. Die ganze Kraterlandschaft, die auch im unteren Teil des Vulkans zu sehen war, wirkte fast surreal. Viele ungewöhnliche Verfärbungen von Grün bis Gelb waren an den Oberflächen zu sehen. Sehr erstaunt waren wir, als plötzlich im Nebenhang eine Gletscherspalte zu sehen war. Ein relativ grosszügiger Gletscher überzieht den Ätna an der Ostflanke. Der gesamte Gletscher ist jedoch von schwarzem Sand überzogen und somit auf den ersten Blick kaum erkennbar.

Nach 9 Stunden hatten wir unsere Basis wieder erreicht. Dank dem Durchlauferhitzer konnten wir eine heisse Dusche nehmen. Die Verschmutzung, die man von so einem Schlotberg davonträgt, ist nicht unbeträchtlich. Am nächsten Tag entschieden wir uns spontan, weiter Richtung Stiefel zu reisen. Wir fuhren zur Fähre, welche diesmal fast stündlich rund um die Uhr zur Verfügung stand.

Ciao Sicilia

 

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