Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

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Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

Reisebericht Süditalien

31.07.-16.08.2019

Angeschlagener Syncro

Bei der Einfahrt in Calabrien wussten wir bereits, dass das Kühlsystem vom Syncro an zwei Stellen ein Leck hatte. Zudem waren die Lagergummis auf der Vorderachse ausgelutscht und verursachten massive Störgeräusche. Der erneut angeschlagene VW Bus musste möglichst bald in eine Werkstatt. Somit waren Offroadstrecken erst einmal tabu.

Am Strand fanden wir einen Platz, auf dem wir direkt unseren Bus platzierten. Wir nutzten die gute Internetverbindung und suchten nach einer seriösen VW-Vertretung. Gesucht – gefunden – in ca. 100km Entfernung gab es eine gute Werkstatt.

Danach gab es nur noch eines in dieser Bruthitze zu erledigen: Abkühlung in der grossen Badewanne!

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg dorthin. Wir erreichten die Werkstatt noch kurz vor Feierabend. Bei der Ankunft wurden wir zuerst von neugierigen Mechanikern und Bauarbeitern in Beschlag genommen. Sie waren sichtlich begeistert von dem neu aufgebauten Oldtimer, so dass sich die italienischen Wortsalven überschlugen – ultimo maccina – belissimo – che bello …!

Nach der Busvorführung wurden wir zu einer Mitinhaberin des Betriebes geleitet. Sie begrüsste uns in fliessendem Hochdeutsch und meinte, dass sie 17Jahre in Ulm gelebt hat. Was für ein Glück für uns! Wir konnten mit ihr einen Termin für morgen um 08.00 Uhr vereinbaren.

So suchten wir einen Schlafplatz in der Nähe. Dieser wurde schnell gefunden - direkt am Meer. Von einem Anwohner wurden wir jedoch aufgehalten. Ein Mal mehr machte uns die Sprache zu schaffen. Wir glaubten zu verstehen, dass er bedenken hat, dass unser Bus im Sand stecken bleiben würde. Dieser müsste dann mit dem Traktor aus dem Sand gezogen werden. Sofern wir richtig verstanden haben, ist der Herr Arzt und im gehört das grosse Anwesen hinter dem Zaun. Er bot uns an, anstatt auf dem Strand zu campieren auf seinem Grundstück zu übernachten. Es schien so, als liesse er keinen Wiederspruch dulden. So nahmen wir das Angebot dankend an und verbrachten eine Nacht auf dem Anwesen, obwohl der Sand für uns eher ein Genuss als ein Problem gewesen wäre.

Als Raphi am nächsten Tag in die Werkstatt fuhr, traute er seinen Augen kaum. Die Werkstatt war so modern, dass sie einigen Schweizer Betrieben weit voraus war. Der Bus wurde auf eine 5 tonnen Hebebühne gestellt und die Leckagen konnten in Windeseile lokalisiert werden. Im VW-System wurde die alte Chassisnummer vom Bus nicht mehr erkannt. Zum Glück kein Problem, alle benötigten Teile konnten von Zusatzlieferanten innert 5 Tagen organisiert werden.

 

An Ort und Stelle verweilen

Das bedeutete für uns diese Tage zu überbrücken, bis die Teile angeliefert werden. Ungern wollten wir diese Zeit auf einem überbuchten Campingplatz verbringen. So füllten wir unsere Vorräte auf und machten uns auf die Suche nach einem Platz am Strand. Nach langem Suchen fanden wir endlich einen , wo wir uns für mehrere Tage niederlassen konnten. Der Strand war gut von Einheimischen besucht. Nie wurden wir wegen dem Freistehen angesprochen. Im Gegenteil: die Italiener hielten öfters beim vorbeigehen den Daumen hoch und zeigten viel Sympathie und Interesse für den Bus.

Normalerweise ziehen wir nach 1-2 Tagen weiter. Nun mussten wir gezwungenermassen 5 Tage stehen bleiben. Diese Gelegenheit nutzten wir, um die Kapazität für lange Versorgungsengpässe auszutesten. Viele Komponenten spielen dabei zusammen – Essensvorräte, Wasserverbrauch, Fäkalientank, Abfallvolumen und Stromreserven. Seit Beginn unserer Reise haben wir gelernt, sparsam mit unseren Ressourcen umzugehen, was sich hier als Vorteil erwies. Die genannten Komponenten wurden in ihrer Kapazität auch richtig abgestimmt. Es nützt nichts, wenn man einen 1000l Wassertank hat und die Essensvorräte nach drei Tagen ausgehen. Schlussendlich entpuppte sich der Abfallsack, als schwächstes Glied in der Kette. Durch die Hitze und die lange Stehzeit von 5 Tagen an der prallen Sonne, erhielt er schon fast ein Eigenleben. Wenn man Nahe beim Wasser steht und die Möglichkeit hat den Abfall besser zu lagern, könnten wir durchaus 6-8 Tage stehen bleiben, bzw. autark unterwegs sein. Für ein Fahrzeug in dieser Grösse ist das wohl ganz anständig.

 

Zwei Tage ohne unser zu Hause

Nach den 5 Tagen machten wir uns wieder auf den Weg Richtung VW-Werkstatt. Wir wussten schon zuvor, dass die Reparatur mindestens 1 Tag andauern würde. So haben wir vorgängig einen Ersatzwagen reservieren lassen. Nun erfuhren wir, dass sie heute bestimmt nicht fertig werden. Schlussendlich dauerte die Reparatur zwei Tage.

Am ersten Tag besuchten wir das antike mittelalterliche Santa Severina. Die bezaubernde Kleinstadt erhebt sich mitten auf einem Felsen und lädt zum verweilen ein. Die Nacht schliefen wir im Freien. Da diese jedoch wegen der Hitze und dem Insektenbefall mit Abstand die schlimmste war, buchten wir für die zweite ausnahmsweise ein Agriturismo. Hier überbrückten wir die Zeit in Ruhe, da wir die einzigen Gäste waren.

Nach zwei Tagen konnten wir unser geliebtes zu Hause wieder in Empfang nehmen – wie wir das vermisst haben!

 

Der Bus wird abgespeckt

Als nächstes steuerten wir einen Campingplatz an. Dorthin wurde der neue Router aus Amerika via Deutschland nach Italien gesendet. Auch Wäsche waschen war dringendst nötig. Doch die Wasch-Kapazität beim Campingplatz hielt sich in Grenzen, so dass wir schlussendlich ein Waschsalon aufsuchten.

Beim Campingplatz entschieden wir uns, das Gesamtgewicht von dem Bus nochmals zu reduzieren. Das ganze Equipment wurde von A-Z durchgeschaut. Alles was nicht regelmässig oder gar nicht gebraucht wurde, wurde rigoros aussortiert und nach Hause gesendet. Um das Fahrzeuggewicht weiter zu optimieren, entschieden wir uns für folgende Taktik: Es werden alle Tanks und Vorräte nur so weit gefüllt, wie sie auch für die aktuelle Teilstrecke benötigt werden. Somit konnten wir das Gewicht um eine weitere Last reduzieren.

Der Router ist zurück

Die Tasche geht zurück nach Hause

 

Ein überfülltes Süditalien

Zu dieser Zeit befanden wir uns in der Mitte der Sohle des Stiefels. So wäre es ein leichtes den Absatz noch zu umrunden. Na ja, so leicht dann doch nicht. Beim ersten Strand trauten wir unseren Augen kaum. Der Strand und das Wasser am Ufer wurden durch abertausende Schirme und schwitzende Haut überdeckt. Dagegen fühlte man sich in Sizilien wie ein einsamer Tourist in der Wüste. Jahrelang trichterte Raphis Vater folgende Worte ein: im August musst du aus Italien verschwinden, dann kommen die Italiener. Mit 34 Jahren hat Raphi nun mit eigenen Augen gesehen, was er damit meinte. Die Population Italiens mit 60,5 Millionen Einwohnern ist etwa 7,5x grösser als die der Schweiz. Hinzukommt das viele Italiener in ihrem Heimatland die Ferien verbringen. Das führt dazu, dass gewaltige Menschenmassen im August die italienschien Küstengegenden einnehmen – unglaublich! So mit blieb uns nur noch eins – Rückzug bzw. Flucht in das nächste Land! Aus diesem Grund wendeten wir unseren Bus und fuhren Richtung Hafen nach Bari.

 

Grande Fiesta

Zur späten Stunde suchten wir in der Nähe der Grossstadt in Olivenplantagen einen Schlafplatz. Auf einem Nebenweg hielt aus dem Nichts ein Auto an und hinderte uns an der Weiterfahrt. Zwei junge Italiener wollten wissen wohin wir gehen. Plötzlich tauchten aus der Dunkelheit weitere Männer zwischen den Olivenbäumen auf und umzingelten uns. Der einzige Grund weshalb wir nicht die Flucht ergriffen, war das sie ein freundliches und seriöses Erscheinungsbild hatten. Nach langem hin und her erklärten wir, dass wir auf der Suche nach einem Schlafplatz sind. Daraufhin erwiderten sie, dass es in der Umgebung von Bari nicht sicher sei im Freien zu übernachten. Einer dieser Männer meinte, er würde uns einen abgesperrten Platz zur Verfügung stellen. Da seine Partnerin auch dabei war, entschieden wir uns mit ihnen mitzugehen und das Ganze zu begutachten. Nach kurzer Fahrt öffnete er ein grosses Metalltor zu einer weiteren Olivenplantage und fuhr mit seinem Auto in die Dunkelheit. Nach einigen Metern meinte er wir sollen aussteigen, wir sind da. Da es kein Licht hatte, konnten wir überhaupt nichts sehen und das Ganze wurde etwas unheimlich. Nach einigen Sekunden aktivierte er eine grosse Gartenbeleuchtung und wir trauten unseren Augen nicht. Wir befanden uns in einem grossen privaten Vergnügungsort, umgeben von einem grossen Swimmingpool, gefüllten Kühlschränken, Grillschuppen und vielen freilaufenden Tieren. Francesco musste wieder gehen, meinte jedoch wir sollen uns wie zu Hause fühlen. Es kam uns wie ein surrealer Traum vor, den wir aber mit vergnügen auskosteten.

Am nächsten Morgen überraschte uns Francesco und seine Partnerin Francesca mit Kaffee und Gipfeli. Als wäre das nicht schon genug gewesen, luden sie uns ein, den Nationalfeiertag von Italien mit Ihnen zu feiern. Dies konnten und wollten wir natürlich auf keinen Fall ausschlagen.

Francesco unternahm mit uns eine Stadtführung in Bitritto. Er ist Journalist und führt das Onlineportal von Bitritto. Er hält so gut wie alles in seinem Online-Kanal fest. So wussten die Einwohner von Bitritto schon wer wir sind, bevor wir überhaupt einen Fuss in die Stadt setzten. Er führte uns in die hintersten Winkel und zeigte uns verborgene Keller und Gassen, die wir so nie gesehen hätten.

Nach dem imposanten Rundgang fuhren wir zurück zur Olivenplantage. Mit seiner Familie und Freunden durften wir eine richtige italienische Fiesta vom feinsten miterleben. Wir wurden mit besten selbstgemachten italienischen Spezialtäten überhäuft. Die erste Fressorgie dauerte ca. 4 Stunden. Wir mussten uns wie gemässtete Schweine in den Schatten legen. Wir konnten es kaum glauben, dass nach einer kurzen Pause, Feuer für die nächste Runde gemacht wurde. Sogar Raphi musste vor der 2. letzten Runde klein beigeben. Der Appetit der Italiener war einfach kolossal – was für ein Erlebnis!

Am nächsten Tag rollten wir wohlgenährt in den grossen Schiffsbauch der nächsten Fähre.

Danke Francesco für diese unvergessliche Zeit! 

 

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