Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

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Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

Albanien

16.08. - 27.08.2019

Tschatschiri

Auf Albanien waren wir besonders gespannt und dementsprechend neugierig bei der Einreise. Was für Schätze wir wohl hier entdecken würden? Voller Vorfreude stürzten wir uns in das für uns noch unbekannte Land.

Zur späten Stunde erreichten wir per Schiff Albanien. Beim Grenzübertritt wurden wir mit einem Tschatschiri begrüsst. Tschatschiri? Als der Zöllner ein Xherdan anfügte, wussten wir das er unseren Mittelfeldspieler der Nationalmannschaft Xherdan Shaqiri meinte 😉.

Da es schon nächtigte, machten wir uns gleich auf die Suche nach einem Schlafplatz ausserhalb der Hafenstadt Durrës. Der Weg dorthin war schon äusserst abenteuerlich und nicht ungefährlich. Die Asphaltstrassen waren zum Teil so sehr verzogen, dass ein Durchkommen mit einem gewöhnlichen PW schon fast unmöglich war. Zudem tauchten im Dunkeln immer wieder Schlaglöcher auf, die zu vergleichen sind mit einem Schacht ohne Deckel. Zum Glück fanden wir nach kurzer Zeit auf einem Ackerfeld einen Übernachtungsplatz, wo wir ungestört schlafen konnten.

 

 

Ein verrückter Tag

Da wir eine albanische Sim-Karte brauchten und Euro in Lek wechseln mussten, stand uns eine Fahrt in die Stadt Durrës bevor. Der Verkehr gestaltete sich sehr lebendig. Tiere, Kinder, Fussgänger und Fahrradfahrer konnte man nebst den üblichen Verkehrsteilnehmern ebenfalls in allen Richtungen auf der Autobahn antreffen. Der Fahrstil der Albaner erwies sich als noch verrückter als der von den Süditalienern. Wir waren froh um unsere grossen Stahlstossstangen und das höher gelegte Fahrwerk. Es schien als regiere das Faustrecht auf der Strasse – alles nur nicht langweilig.

In der Stadt fühlten wir uns das erste Mal fremd. Die Einheimischen sprachen so gut wie kein Englisch und nur wenige zeigten sich hilfsbereit. Die Parkplatzsuche gestaltete sich als unlösbare Aufgabe. In den Shops musste man sich fast um eine Bedienung reissen. Normales anständiges Anstehen kennt hier wohl niemand. Immer wieder wurde uns laut nachgerufen und die hohle Hand hingehalten. Diese überfüllte Stadt trieb uns in den Wahnsinn. Nachdem wir nach Stunden unsere Sachen mehr oder weniger erledigt hatten, verliessen wir Durrës genervt und mit gereizter Stimmung Richtung Strand.

So waren wir endlich wieder in der Natur auf losen Pisten unterwegs. Erst einmal tief durchatmen und runterkommen. Doch irgendein seltsamer Duft lag in der Luft. Nach längerer Fahrt entdeckten wir den Ursprung der speziellen Geruchsemissionen. Eine riesige Müllhalde mitten in der Natur war der Übeltäter. Einmal mehr ein trauriges Bild, wie mit der Natur umgegangen wird.

In Gedanken versunken, fuhren wir weiter Richtung Strand. Doch anfreunden konnten wir uns mit dieser Gegend nicht wirklich. So versuchten wir unser Glück in den nahegelegenen Bergen. Unerwartet abenteuerliche Pisten tauchten vor uns auf und führten uns zu einem wunderschönen Übernachtungsplatz. Umgeben von dicht bewachsener Natur, fühlten wir uns von der Umwelt abgekapselt. Eine Rückzugsnische, welche wir nach diesem verrückten Tag dringendst von Nöten hatten. Hier konnten wir den Tag Revue passieren lassen und unsere Energiereserven wieder auftanken – was für eine Wohltat!

 

 

Hauptstadt Tirana

Da wir in Durrës nicht alles erledigen konnten, wagten wir erneut einen Versuch in der Hauptstadt Tirana. Wir erwarteten das Gleiche Chaos, wie in der Hafenstadt. Wurden jedoch sehr überrascht, wie gesittet alles zu und her ging - reibungsloser Verkehr und sehr modern. So schnell wie wir in die Stadt kamen, so schnell ging es auch wieder raus.

 

 

Albanisches Hinterland

In den folgenden Tagen fuhren wir auf unzähligen Pisten durch das albanische Hinterland. Hier wiederspiegelte das alltägliche Dasein eine völlig andere Realität. Die Leute waren äusserst freundlich und hilfsbereit. Wir wurden sogar mitten auf einer Offroadstrasse einfach so mit Obst beschenkt.

Wir passierten viele kleinere Dörfer und Flüsse. Um diese Orte zu erreichen, benötigte wir oft mehrere Stunden im Geländewagen. Maultiere waren in diesen Regionen die gefragteste Variante für den Gütertransport.

Nach mehreren Tagen Rüttelpiste fahren, Tag für Tag weiterziehen und den vielen neuen Eindrücken, benötigten wir eine Pause. So fanden wir oberhalb vom Ohridsee einen ruhigen Platz und übernachteten hier für drei Nächte. Von hier aus hatte man eine bezaubernde Aussicht auf den See und das angrenzende Mazedonien.

 

 

Abenteurlicher 1. Hochzeitstag

Nach dieser Pause zog es uns weiter. Vorab mussten wir jedoch unsere Vorräte auffüllen. In dem nahegelegenen Städtchen Pogradec am Ohridsee, fanden wir eine wunderbare Landmetzgerei mit dem besten Rindfleisch der Umgebung. Massentierhaltung ist in dem hügeligen Gebiet eigentlich nur schwer möglich. Man merkte aber schnell, dass die Albaner auch nichts davon halten. Die Tiere leben hier im Herdenprinzip in freier Natur. Die meisten Herden wurden durch grosse Schutzhunde begleitet. Eine Variante der Tierhaltung die hier äusserst gut zu funktionieren scheint. So kauften wir uns einen grossen Brocken gut abgehangenes Stück Beef aus der Natur. An den Strassen gab es auch unzählige Gemüsehändler, wo wir für 2.- unglaublich viel Gemüse und Früchte einkauften. Zum Mittagessen gönnten wir uns einen Dürüm, der sage und schreibe 170 Lek (1.54 CHF) kostete.

Gestärkt machten wir uns auf den Weg zur nächsten Rüttelpiste. Die Route war sehr anspruchsvoll zu fahren, jedoch unglaublich abwechslungsreich und gezeichnet von schöner Natur. In einem abgelegenen Dorf hat eine ältere Frau uns angehalten und gebeten mit uns ins nächste Dorf zu fahren. Sie fuhr gut eine halbe Stunde mit uns über die buckelige Piste mit. Als Dank für den holprigen Transport, wollte sie uns zum Kaffee einladen. Da es schon spät war und wir unseren 1.Hochzeitstag feiern wollten, lehnten wir die Einladung ab. Was natürlich eine einmalige Gelegenheit gewesen wäre, mehr über das Leben der Einheimischen zu erfahren. Übrigens konnten wir uns mit ihr kaum verständigen, aber irgendwie verstand man doch das eine oder andere.

Kurze Zeit später standen wir vor einem Fluss. Weit und breit war keine Piste mehr zu sehen. Hmm, haben wir da einen Abzweiger verpasst? Unsicher was wir machen sollten, begegnete uns ein Einheimischer mit seinem beladenen Maultier. Auch ihn verstanden wir nicht, meinten aber zu verstehen, dass wir den Fluss überqueren können. So fuhren wir ein langes Stück im Fluss, der zum Glück nicht allzu tief war. Tatsächlich landeten wir nach der Flussdurchquerung wieder auf dem richtigen Weg.

Mitten im Nichts fanden wir einen gemütlichen Platz zum Übernachten. Wir heizten den Smoker ein und legten das gute Stück Beef in den heissen Rauchschlund. Bei dem äusserst genussvollen Gaumenschmauss schwelgten wir in Erinnerungen an unseren grossen Tag vor einem Jahr. In dieser Feststimmung bemerkten wir gar nicht, dass sich der gute Wein, wie fast von selbst leerte. Unsere angeregte Unterhaltung wurde mit einer Flasche feinstem Scapa angekurbelt. Was für ein Glück, dass diese nicht mehr ganz voll war. Denn der Kater am darauffolgenden Tag, machte sich ordentlich bemerkbar.

 

 

Defekte Heckkiste

Am Abend zuvor haben wir gesehen, dass der Boden der Alukiste gerissen war. Die Kiste befindet sich am Heck und enthält diverses Aussenmaterial. In diesem Zustand war das Ganze noch knapp fahrbar. Die Kiste fixierten wir mit einem Spannset, um ein weiteres Reissen der Ecknaht zu verhindern. So verliessen wir die Offroadpiste und fuhren in die nächste Stadt.

In einem Imbissladen fragten wir mit Hilfe einer Übersetzer-App, ob es einen Schweisser in der Nähe gibt, der eine Aluschweiss-Anlage besitzt. Ein Taxifahrer bot seine Hilfe an und führte uns in ein abgelegenes Hinterhof Areal. Dort fragte er sich durch und machte mehrere Telefonate. Schlussendlich konnte er einen Alu-Schweisser ausfindig machen. Da dieser jedoch noch im Mittagsschlaf war, mussten wir auf ihn warten. Allein wäre es für uns unmöglich gewesen, einen Schweisser ausfindig zu machen. Wir waren sehr dankbar für die Hilfe des Taxifahrers.

Schlussendlich warteten wir fast zwei Stunden auf den Schweisser und seine Mitarbeiter. Drei «Mechaniker» hantierten an der Kiste herum. Unser Mechanikerherz blutete förmlich, da der Umgang mit unserer Kiste sehr rabiat und lieblos war. Wir merkten auch schnell, dass der Chef kein geübter Schweisser war. Dementsprechend sah auch das Resultat aus. Beim Befestigen der Kiste am Heckträger, gingen Unterlagscheiben verloren, Schrauben wurden in die falsche Richtung gedreht oder so fest angezogen, dass sie abscherrten. Die fehlenden und abgebrochenen Teile mussten ersetzt werden und auf jeden Fall rostfrei sein. Nach langer Suche konnte der Chefmechaniker in seiner «Werkstatt» rostfreie Ersatzteile finden.

Das Ganze war eine äusserst mühsame Aktion. Der Kater, die Hitze und die Verständigungsprobleme versüssten uns den Aufenthalt nicht wirklich. Was aber schlussendlich zählte, war das die Kiste repariert und wieder einsatzfähig war – phu was für ein Erlebnis!

 

 

Letzte Übernachtung in Benjes

Nach dieser Aktion machten wir uns auf den Weg Richtung Benjes. Dort befinden sich natürliche Pools, die zwischen 28° und 30° warm sind. Wir verbrachten eine Nacht in Benjes und gönnten uns in der Früh ohne andere Touristen ein «warmes» Bad. Spontan entschieden wir uns das spannende und abenteuerliche Albanien zu verlassen und nach Griechenland aufzubrechen.

Albanien durften wir noch als sehr ursprüngliches Land erleben. Im Gebirge und im Hinterland lebten die Leute noch sehr altertümlich und rudimentär. Der Wirtschafts- und Geldwahn hat hier definitiv noch nicht Einzug gehalten. Für uns war das eine sehr interessante Erfahrung. Wer das mag sollte sich mit einer Reise beeilen. Das Ganze Land ist im Umbruch. Viele Strassen werden erneuert. Ganze Gebiete werden modernisiert und umgebaut. Wir denken es ist nur noch eine Frage von wenigen Jahren bis das ursprüngliche und einfache Leben von der Wirtschaftswelt überrollt wird.

 

Hier geht es zum Albania-Movie!