Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

T3IPSTER.CH

Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

Türkei

15.09. – 26.10.2019

Einreise

Es gibt zwei Grenzübergänge, die von Griechenland in die Türkei führen. Wir entschieden uns für den kleineren Grenzübertritt in der Hoffnung, dass dort nicht viel los sein würde. Am Zoll angekommen, tauchte eine unendlich lange Autoschlange vor uns auf und machte unsere Hoffnung zu Nichte. Millimeter für Millimeter kamen wir dem Übertritt näher. Hinter den Mauern, welche mit Stacheldrahtzaun überzogen waren, gliederten sich schwer bewaffnete Männer in Tarnanzügen. Der imposante Militärauftritt und die lange Autoschlange, führte zu der Annahme, dass die Einreisenden streng kontrolliert werden. Nach mehreren Stunden kamen wir endlich an die Reihe. Nun sahen wir den Grund für das lange Warten. Die Zollbeamtin arbeitete so «schnell» wie Flash aus dem Film Zoomania. Nach einer gefühlten Ewigkeit erhielten wir unsere Pässe, den Fahrzeugausweis und die grüne Versicherungskarte wieder zurück.

 

 

Erster Öl-Wechsel

Endlich in der Türkei angekommen machten wir uns auf den Weg Richtung Istanbul. Zudem war der erste Ölwechsel fällig. So machten wir uns auf die Suche nach einer Autogarage. Die Autowerkstätten nahmen einen ganzen Stadtteil von Istanbul in Beschlag. Wir wissen nicht wie viele Autogaragen sich aneinander reihten. Jedoch waren es bestimmt mehrere Hundert Betriebe, so was haben wir noch nie gesehen. Wir landeten bei der Garage von Mustafa und Izzet. Dank Übersetzungs-App konnten wir mit ihnen «kommunizieren». Sie waren sichtlich über unsere Anwesenheit erfreut. Bevor es an den Ölwechsel ging, bestellten sie für uns Börek und versorgten uns im Übermass mit Tee.

Für den Ölwechsel wollten sie keinen einzigen Rappen von uns. Wir meinten zuerst, dass sie Witze machen würden. Der Öl-Filter und das Öl war zwar von uns. Der Arbeitsplatz war jedoch für längere Zeit durch uns besetzt. Aber sie wollten definitiv nichts von uns, unglaublich, oder?! Unendlich dankbar verabschiedeten wir uns von Mustafa und seiner Crew.

 

 

Vielseitiges Istanbul

So wagten wir nun endlich die Fahrt in die 15-Millionen-Metropole Istanbul. Die Fahrt in die Megacity war nicht ohne. Wir waren heilfroh, den Stellplatz unversehrt erreicht zu haben. Auf einem überwachten Parkplatz neben einem Fussballfeld konnten wir unseren T3 hinstellen. Der Platz wurde extra für Camper errichtet.

Istanbul ist die einzige Stadt der Welt, deren geographischen Lage sich gleichzeitig auf zwei Kontinenten erstreckt – Europa und Asien. Die lebhafte Stadt ist irgendwie modern, gleichzeitig antik und orientalisch. Während unserem Aufenthalt, besuchten wir historische Schätze wie die blaue Moschee, die Hagia Sophia und den versunkenen Palast. Schlenderten durch die verschiedenen Bazars, wobei der ägyptische Gewürzbazar uns am meisten faszinierte. Der Bazar ist ein Meer aus verschiedensten Düften und Farben.

Nach 109 Tagen Sonnenschein, holte uns dann doch noch das schlechte Wetter ein. Wir mussten uns zum ersten Mal seit reisebeginn mit der Regenjacke einhüllen. Aus diesem Grund entschieden wir uns Europa zu verlassen und den Bosporus zu durchqueren. So fuhren wir gemütlich unter der Meeresoberfläche im eurasischen Tunnel von Europa nach Asien.

Hagia Sopiha

Gewürzbazar

Bazar

lebhafte Gassen Istanbul

erster Regentag

 

 

Ein Abstecher an die Schwarzmeerküste

Unser Weg führte nach Norden an die Schwarzmeerküste. Die Badesaison war definitiv vorüber. Wir konnten somit die Küstenabschnitte meist in völliger Zweisamkeit geniessen. Zu unserem Erstaunen tauchten schöne Küstenlandschaften mit romantischen Sonnenuntergängen vor unserer Frontscheibe auf. Der grössere Teil dieser Küstenregion war aber eher karg und windig, auch das Wetter wurde kühler. Im Weiteren mussten wir ohnehin nach Ankara, um das Visum für den Iran zu besorgen. Aus diesen Gründen machten wir uns Richtung Hauptstadt auf.

 

 

Ein unerwartet langer Aufenthalt in Ankara

Das iranische Visum wurde von Nadine im Voraus elektronisch beantragt. Nur noch Passfotos fehlten. Deshalb machten wir uns zuerst auf den Weg zu einem Fotografen. Am nächsten Tag trafen wir pünktlich bei der Botschaft ein. Nach diversen Stadtläufen und Bürobesuchen war der ganze Papierkram erledigt. Da wir weiterziehen wollten, bestellten wir ein Expressverfahren. Die Einreisebewilligung konnte somit am darauffolgenden Tag abgeholt werden.

Wir übernachteten an einem abgelegenen Vorort und standen frühzeitig auf. Ok – alles parat – fahren wir los. Nach kurzer Fahrt stellte jedoch der Motor ab und wollte nicht mehr starten. In diesem Augenblick wussten wir noch nicht, dass wir wegen defekten Motorteilen noch weitere 3 Wochen hier festsitzen würden.

Die Zündspule war schlussendlich defekt. Ein Ersatzteil konnte in der Türkei leider nicht besorgt werden. Ein Packet von der Schweiz in die Türkei zu versenden war extrem teuer. Dazu kam die Ungewissheit, ob die Ersatzteile nicht am Zoll hängen bleiben. Bereits der kleinste Schreibfehler auf den Zollpapieren, kann dazu führen, dass die Teile den Zoll nicht passieren würden. Aus diesen Gründen entschieden wir uns, dass Nadine in die Schweiz zurückfliegt, um die Teile zu besorgen. Ein Flug war schlussendlich wesentlich billiger als ein Paket zu versenden. Im Weitern hatten wir die Gewissheit, dass die Teile auch sicher bei uns ankamen. Somit machte sich Nadine auf den Weg, zurück in die Schweiz. Sie hatte zwei Tage Zeit, um diverse Ersatzteile und benötigte Produkte, die wir dringend brauchten, zu organisieren. Obwohl die Zeit sehr kurz war, liess sie es sich nicht nehmen die Familie zu geniessen und die engsten Freundinnen zu besuchen. Dann ging es bereits wieder zurück zu ihrem Ehemann, der in der Türkei auf die dringend benötigten Ersatzteile wartete. Am darauffolgenden Tag wurden die Teile eingebaut und der Bus schnurrte wieder wie ein kleiner Tiger.

Die Schaumstoffeinlagen vom unteren und oberen Bett waren durch die Jahre eingefallen. Sie wurden auf der Reise so weich, dass nach dem Aufstehen starke Rückenschmerzen vorhanden waren. Wie gut, dass es in Ankara auch für Polster ein Stadtteil gab! Also machten wir uns auf die Suche nach einer Schaumstoff-Firma und wurden fündig. In Windeseile schnitten sie unsere Polster auf Mass zu. Wunderbar – ebenfalls erledigt!

Suche nach dem Fehler

importierte Zündspuhle

Reparatur

neue Schaumstoffeinlagen

Schaumstoff zuschneiden

Wiedersehen mit der Familie

Raclette-Plausch

Freundinnen seit der Schulzeit

Gottibueb Milo

Appowila-Freunde zufällig im Zug nach Zürich getroffen

 

 

Wir rollen wieder

Nach fast 3 Wochen konnten wir Ankara endlich verlassen und unsere Reise wieder fortsetzen. Gleich beim ersten Übernachtungsplatz durften wir ein Naturparadies geniessen. Wir campierten neben einem ausgetrockneten Salzsee, der Flamingos und diversen Vogelarten einen Lebensraum bot.

Stellplatz beim Salzsee

 

 

Beeindruckendes Kappadokien

In den darauffolgenden Tagen fuhren wir durch karge Wüstenlandschaften und gelangten so zum nächsten Etappenziel – Kappadokien. In dieser Gegend in Zentralanatolien trifft man eine märchenhafte Landschaft an. Kegelförmige Gesteinsformationen, sogenannte Feenkamine, sind hier zu sehen. Es gibt Steinwände, die ebenfalls äusserst kunstvoll durch Wind und Wetter über Millionen von Jahren geformt wurden.

In diesem Paradies stellten wir unseren Bus auf einen hochgelegenen Aussichtspunkt. Um 0500 Uhr in der Früh wurden wir durch das Dröhnen von lauten Generatoren aus dem Schlaf gerissen. Genervt öffneten wir die Bustür und wollten sehen was für nette Menschen einen solchen Lärm in Herrgottsfrüh veranstalteten. Doch als wir den Hügel hinuntersahen, hob sich unsere Stimmung schlagartig. Unzählige Heissluftballone bis zum Horizont wurden startklar gemacht. Einer nach dem anderen Flog Richtung Himmel. Ein riesiges Spektakel, das wir so schnell nicht wieder vergessen werden und das Ganze noch vor dem Zähneputzen – was für ein Wachwerden!

 

 

Der Weg zum Berg der Götter

Unser nächstes Ziel war der Mount Nemrut, der sich im Südosten in der Türkei befindet. Um dort hinzukommen, fuhren wir auf Offroad-Pisten durch gebirgige Landschaften. Diese Pisten führten Nahe an den Grenzen von Syrien und dem Irak entlang. Auf den Landstrassen, die wir als Verbindungsstrecken nutzten, wurden wir öfters von dem türkischen Militär kontrolliert. Unsere Reiseroute legten wir jeweils zur Kontrolle vor. Gemäss den Soldaten konnten wir bedenkenlos durchfahren.

Obwohl die 2000 Jahre alten Götzenstatuen auf dem Berg Nemrut bemerkenswert waren, hatte uns diese Touristenattraktion nicht überzeugt. Aber der Weg dorthin allemal. Atemberaubende Berglandschaften, unerwartete Tabakplantagen und ein spontanes Abendessen bei einer türkischen Familie, überraschten auf dem Weg Richtung Osten.

Mount Nemrut

Offroadstrecke

Schlafplatz

Tabakhersteller Aziz mit seiner Familie

 

 

Ungewollte Bekanntschaft mit dem Militär

Unsere Reiseroute erstreckte sich weiter Richtung Osten. Die zunehmende Militäraufkommen demonstrierten die türkische Kampfbereitschaft im Randgebiet der Kriegszone von Syrien. Die überragende Gastfreundschaft der lokalen Einwohner, wurde in diesem Gebiet durch Zurückhaltung und ängstliches Verhalten getauscht.

An einem Morgen hielten wir auf einer Landstrasse an, um etwas zu essen. Etwa 100m von uns entfernt, befand sich ein einfaches Häuschen, dass wir nicht einmal bemerkten. Nach kurzer Zeit kam ein Mann zu uns und fragte was wir hier machen und ob wir mit ihm einen Tee trinken wollen. Wir wurden die ganze Zeit von irgendwelchen Leuten höflich zum Teetrinken eingeladen. Da wir weiterfahren wollten, lehnten wir freundlich ab. Somit fuhren wir nach dem kleinen Imbiss weiter ins nahegelegene Dorf. Kurz nach der Dorfeinfahrt wurden wir überfallartig von einem Sprinterbus angehalten. Bevor wir realisierten was eigentlich los war, wurden wir bereits von einigen bewaffneten Soldaten umzingelt. Ein zivil gekleideter Mann näherte sich uns. Auch dieser meinte, dass der Chef der Militärpolizei mit uns einen Tee trinken wolle. Auch hier lehnten wir höflich ab, mit dem Hinweis weiterfahren zu müssen. Die Männer lächelten nur müde und meinten wir sollen doch einfach mitkommen. Bevor wir zustimmten, sass bereits einer der Männer auf unserer Rückbank. Im bewaffneten Konvoi fuhren wir zum örtlichen, ebenfalls schwer bewaffneten Stützpunkt. Dort wartete der Kommandant dieses Vereins. Widerwillig tranken wir den Tee mit ihm. Ebenfalls bekamen wir zu essen und wurden äusserst freundlich behandelt. Nach 2 stündiger Abklärung wurde uns mitgeteilt, dass alles in Ordnung sei und wir weiterfahren dürfen. Raphi fragte dann den Kommandanten, ob der Mann vom Dorfrand sie angerufen hat. Er lachte nur und sagte, na klar hat er uns angerufen. Er meinte «there are two weird people» evt. handle es sich um Terroristen. Nach diesen freudigen Bekanntschaften wollten wir eigentlich möglichst schnell aus dieser Region verschwinden. So liessen wir auch den Halt am Van See aus und fuhren direkt Richtung iranische Grenze.

Eingang zum Militärstützpunkt

Vor dem Grenzübertritt fanden wir ein Hotel. Auf dem Parkplatz vom Hotel konnten wir im Bus mehrere Nächte übernachten. Wir nutzten die Gelegenheit, um die Wäsche zu waschen und noch einige digitale Datenpakete ins Internet zu stellen. Der englische BBQ Spruch auf der Heckkiste wurde ebenfalls noch kurzfristig entfernt. Anschliessend fuhren wir auf die iranische Grenze zu.

 

 

Gülle Gülle Türkiye

Abfallprobleme und Armut gehören in der Türkei in gewissen Gegenden zum Alltag. Abgesehen von diesen Problemen und den letzten Tagen, waren wir äusserst positiv von der Türkei überrascht. Wir können nur sagen, dass wir von der Gast- und Hilfsbereitschaft dieser Menschen überwältigt sind. Jedes Mal, wenn wir ein Problem hatten, wurde uns mit vollem Engagement zur Seite gestanden. Alles wurde sofort stehen und liegen gelassen und mit allen Mitteln eine Lösung gesucht – natürlich wurde auch eine Bezahlung jeweils strikt abgelehnt. Zudem bietet die Türkei imposante Naturschätze und eindrucksvolle Landschaften, die wir in bester Erinnerung behalten werden.

Tesekkürler Türkiye!

 

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