T3IPSTER.CH

Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

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Einblicke in unser Reisejahr 2019

Liebe Grüsse aus Nord-Pakistan.

Wir sind seit 211 Tagen unterwegs. Mehr als 20'000km liegen hinter uns. Einige hundert Liter Treibstoff wurden durch die Benzinpumpe geschleust. Der Umfang des Radprofils wird immer kleiner. Langsam und Kilometer für Kilometer verändert sich unsere Umgebung. Wir tauchen in andere Länder, andere Kulturen ein und erleben kulinarische Highlights. Alte Tagesstrukturen sind verblasst und neue zu festigen, ein Ding der Unmöglichkeit. Oft wissen wir am Morgen nicht, wo wir am Abend sind, geschweige was uns erwarten wird. Die normalsten und selbstverständlichsten Dinge, wie Lebensmittel einkaufen, Wasserquellen auftreiben oder nur einfach den Müll zu entsorgen, nehmen viel Zeit in Anspruch. Regelmässige Duschen gibt es schon lange nicht mehr. Kleider werden längst nicht mehr so oft gewechselt wie gewohnt.

Der Fahrstil wird immer haarsträubender, das was sich alles auf den Strassen bewegt unglaublicher und was alles und wie transportiert wird, verrückter. Bis vor kurzem wussten wir nicht, das auf einem Motorrad nebst 3 Personen auch noch eine Ziege dazwischen Platz hat. Und das ist längst nicht das Maximum.

Der gewählte Weg ist oft steinig und lang. Die Strassen werden gefährlicher und lassen keine Fahrfehler zu. Desto herausfordernder sie zu fahren sind, desto mehr Freude bereitet es dem Fahrer und sorgt für Herzrasen bei der Beifahrerin. Von dem Bus wird einiges abverlangt und die eine oder andere Passage hat ihm ordentlich zugesetzt. So dass uns einige Reparaturen an der Weiterreise hinderten. Ersatzteile werden immer schwieriger aufzutreiben, geschweige denn eine anständige Werkstatt zu finden.

Desto östlicher wir reisen, desto anstrengender und abenteuerlicher wird unsere Reise. Wir erleben Momente, die uns staunen lassen, entdecken eine unglaubliche Natur und begegnen den unterschiedlichsten Menschen. Wir erfahren eine Gastfreundschaft und Herzlichkeit, wie wir sie bis anhin nicht kannten. Manchmal werden uns die Eindrücke und Begegnungen zu viel und es kann uns in solchen Momenten an Raum und Ruhe fehlen.

Wir erleben unbezahlbare Augenblicke, aber auch Momente, die uns nachdenklich und traurig machen. Eines der grössten Übel ist der Müll. Seit Sizilien zeigen sich immer wieder traurige Abfallbilder. Bilder, die wir nicht mal von den Medien kennen. Dies live zu sehen, zeigt uns auf, wie schrecklich das Ausmass tatsächlich ist. Es sind Menschen, die nicht wissen das Plastik nicht gleich Bananenschale ist, denen das Bewusstsein fehlt oder Menschen, denen es schlichtweg einfach egal ist. Wir sehen Menschen, die von der Regierung unterdrückt werden und nicht annähernd solch eine Freiheit geniessen dürfen, wie wir sie kennen. Wir sehen Frauen, die nur wenig Rechte haben und ein verschleiertes Leben hinter den Kulissen führen. Wir sehen Erwachsene und Kinder, denen der Alltag zusetzt und sie um Jahre älter aussehen lässtt, als sie es eigentlich sind. Wir sehen Familien, die in einfachen Hütten leben ohne Strom, ohne fliessendes Wasser und ihr Zimmer mit Schafen und Ziegen teilen. Trotz allem blicken wir immer wieder in strahlende Gesichter, die uns in ihrem Land willkommen heissen.

Wir sind unendlich dankbar, für das Erlebte und dass wir all die Kilometer unversehrt überstanden haben. Wir sind aber auch dankbar, dass wir uns gegenseitig immer noch aushalten. Wir teilen so zusagen jede Sekunde, jede Minute und jede Stunde miteinander. Wir verbringen Tag und Nacht zusammen und das auf kleinstem Raum. Es wäre gelogen, wenn wir behaupten würden, dass wir immer gut gelaunt sind sowie alles immer rund läuft. Es gibt Reisetage, die sehr nahrhaft sind. Nadine kann zudem ganz schön launisch werden, wenn sie zu wenig Schlaf bekommen hat oder das Thermometer über 40° steigt. Raphi wird hingegen zur echten Diva, wenn er hungrig ist oder die Navigatorin ihren Einsatz verpasst hat.

Manchmal gibt es Momente, in denen wir uns gerne nach Hause beamen möchten. Um unsere Liebsten wieder einmal in die Arme zu schliessen und bestimmte Augenblicke mit ihnen zu teilen oder nicht nur auf Fotos zu sehen, wie schnell unsere Patenkinder grösser werden.

Ansonsten fehlt es uns an Nichts, uns geht es gut und wir sind glücklich.

Wir sind gespannt welche Überraschungen das neue Reisejahr mit sich bringen wird. 

Mit diesen Worten verabschieden wir uns von dem Jahr 2019 und wünschen euch einen guten Rutsch in das neue Jahr.

Auf in ein neues Jahr.