T3IPSTER.CH

Die Welt ist zu gross, um nur an einem Ort zu bleiben.

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Iran

26.10. - 09.12.2019

Vor der Einreise

Wie so oft wird man durch die Weltpresse eher mit den negativen und oder mit den politischen Themen eines Landes konfrontiert. Der islamische Staat Iran ist da keine Ausnahme. Im Gegenteil, er glänzt eher auf der negativen Seite der Berichterstattung. Bekannt ist auch, dass die Beziehung zwischen Amerika und dem Iran schon lange stark zerrüttet ist. Durch massive Handelsrestriktionen der USA wurde der Iran ebenfalls hart in die Knie gezwungen. Unter den Sanktionen und der wirtschaftlichen desolaten Lage leidet vor allem das iranische Volk. Zudem wurde das Bankensystem komplett vom Welthandelsnetz abgekoppelt. Als Einreisender besteht darum keinerlei Möglichkeit, Bargeld in diesem Staat zu beziehen. Es bleibt einem also nichts anderes übrig als mit einem Koffer voller Scheine einzureisen. Sämtliche EC-Kredit- oder sonstige Bankkarten sind unbrauchbar. Dazu kommen noch andere Faktoren, die den islamischen Staat noch kurioser darstellen als er es eigentlich ist. Im ganzen Land gelten starke Internetrestriktionen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass Informationen über das Web grundsätzlich vorhanden sind jedoch diverse Seiten wie Youtube, Facebook, Wikipedia etc. gesperrt sind. Um diese Misere zu umgehen muss man bereits vor der Einreise eine VPN-App installieren. Im Web kursieren zudem immer wieder Meldungen über festgenommene Reisende, wegen Spionageverdacht. Vor unserer Einreise wurde ein australisches Paar aus diesem Grund inhaftiert und erst nach Monaten wieder freigelassen. Im Iran ist der Besitz sowie Konsum von Alkohol verboten. Wir haben gelesen, dass bei Nichteinhaltung des Verbotes, eine Auspeitschung mit 80 Peitschenhieben droht. Zudem gibt es sehr strenge Kleidervorschiften, die nicht nur für Einheimische, sondern auch für Touristen gelten. Nadine muss im Iran lange, nicht anliegende Kleidung sowie ein Kopftuch tragen. Raphi darf keine kurzen Hosen anziehen, hingegen ist es für Männer erlaubt ein T-Shirt zu tragen. 

Mit der Aufzählung der Negativpunkten, von Admin.ch für Einreisebestimmungen in den iranischen Staat, wollen wir erst gar nicht beginnen. Denn die bereits gesammelten Informationen verwirrten uns schon genug. Hinzu kam, dass kurz vor unserer Einreise der Iran für den Drohnenangriff auf eine Ölindustrie in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht wurde. Die Streitgespräche zwischen Donald und den Mullas standen somit kurz vor einer Eruption. Wir wussten nicht was für Folgen, dass haben würde.

 

 

Der Grenzübertritt

Während der Fahrt zur iranischen Grenze, unterstrich das Schweigen die triste Stimmung in der Fahrerkabine. Die letzten Kilometer der Türkei fuhren wir durch eine karge und lieblose Wüstenlandschaft. Leicht nervös und etwas angespannt auf das unbekannte Land, rollten wir an den letzten Militärfahrzeugen der türkischen Armee vorbei.

Auf einmal war er da – der Grenzposten zwischen der Türkei und dem Iran. Zuerst mussten wir die Türkei verlassen. Dazu wurden alle Dokumente abgestempelt und der ganze Vorgang wurde speditiv und problemlos abgehandelt. Nach dem wir die Grenze der Türkei problemlos passiert hatten, öffnete sich ein massives Eisentor. Das Tor, welsches zum iranischen Zoll führte. Nach der Durchfahrt wurde das eiserne Tor hinter uns verriegelt und somit gab es kein Zurück mehr. Auf der Vorderseite war ein ebenso grosses, verschlossenes Metalltor und wir wurden sozusagen eingepfercht. Der Zollbeamte warf zur Überprüfung, ob wir noch mehrere Personen mit uns führten, einen flüchtigen Blick in den Innenraum des T3’s. Er erkundigte sich noch, ob wir Alkohol mit uns führen – das wars – vorläufig. Denn anschliessend näherten sich uns 3 Personen in ordentlicher Zivilkleidung aber ohne Uniform. Sie stellten sich als Polizeichef, als Zollchef und als Immigrationszuständiger vor. Da wir uns in der abgeschlossenen Kernzone des iranischen Zolls befanden, war für uns klar, dass wir diesen Personen Folge zu leisten haben. Diese Männer führten uns durch die weitere Zollabwicklung. Als wir nirgends anstehen mussten und von uns dann einen kleinen Geldbetrag verlangt wurde, wurden wir misstrauisch. Irgendwann fragte uns einer dieser Herren, ob wir bei ihm Fremdwährungen wechseln wollten und hielt uns ein Bündel Bargeld entgegen. Auch dies gehört eigentlich nicht zu dem offiziellen Aufgabengebiet eines Zollchefs. Das Ganze wurde immer verwirrender. Da es aber Abend war und wir dringend Bargeld benötigten, fragten wir nach seinem Kurs. Im Internet wurde angegeben, dass man für 100 Euro ca. 2.8 Mio Rial erhalten soll. Der Zollchef meinte jedoch er bietet uns 8 Mio Rial für 100 Euro an. Wir mussten etwas schmunzeln. Aber bei einem so guten Angebot kann etwas doch nicht stimmen. Aus diesem Grund beschlossen wir lediglich einen kleinen Betrag zu wechseln, um die Anfangszeit zu überbrücken. Als wir wieder beim T3 waren schaute der Polizeichef auf einmal mit Stilaugen in unser Fahrzeug hinein. Raphi fragte ihn ob etwas nicht in Ordnung sei. Er erkundigte sich in sehr schlechtem Englisch, ob er ein Geschenk von unserem Inventar haben kann und liebäugelte mit unseren Kopfhörern. Das wird ja immer seltsamer – wir schüttelten den Kopf und lehnten höflich ab. Spätestens ab diesem Augenblick wurde uns klar, dass diese drei Herren keine offiziellen Beamten waren, sondern lediglich Grenzschläuser. Das solche privaten Schlepper in einem abgeschlossenen Zollbereich Zutritt haben, war für uns als Schweizer unvorstellbar und äusserst verwirrend. Nach der ganzen Prozedur öffnete sich endlich das zweite grosse Eisentor. Ein «Beamter» winkte uns durch und rief mit einem Lächeln im Gesicht: WELCOME TO IRAN!

Zu einem späteren Zeitpunkt trafen wir einen erfahrenen Overlander. Als wir ihm diese Geschichte erzählten, lachte er nur und meinte: In diesen Ländern musst du grundsätzlich ALLES hinterfragen. Er riet uns z.B. bei einer Polizeikontrolle, zuerst zu überprüfen, ob es sich auch tatsächlich um echte Polizeibeamten handelt. Polizeiuniformen können in normalen Shops für kleines Geld besorgt werden. Polizeiausweise und Fahrzeuge sind schon schwieriger zu kriegen, jedoch ist fast alles denkbar. Der Grenzübertritt war jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack, für das was uns noch alles in diesem verrückten Land erwarten würde.

 

 

Das Geld

Um grosse Verwirrungen möglichst klein zu halten, hier noch einige Informationen um das Thema Bargeld. Die iranische Währung wird als Rial bezeichnet. In der Praxis ist es aber so, dass alle Produkte in Toman angepriesen werden. 10 Rial entsprechen 1 Toman. Das heisst man muss bei allen Preisen eine Null dranhängen und anschliessend in Rial bezahlen. Toman gibt es in der Realität nicht – nur die Preise werden damit bezeichnet. Alles klar?! Im Weiteren entspricht der offizielle Bankenkurs zum Wechseln von Devisen nicht der Realität! Das heisst, dass man auf der Bank für 100Euro z.B. 3 Millionen Rial erhalten würde. Hingegen kann man am selben Tag in einer Wechselstube für 100 Euro z.B. 12 Millionen Rial erhalten. Am nächsten Tag kann es sein, dass vielleicht nur noch 8 Millionen und am übernächsten Tag dann doch wieder 14 Millionen erhältlich sind. Alles klar?! Unser Tipp: Geldwechsel nur in Wechselstuben durchführen. Am Anfang der Reise immer wieder mal kleinere Geldbeträge wechseln und die Kurse beobachten. Somit erhält man nach einiger Zeit ein Gefühl für die realen Devisenkurse.

iranische Währung Rial

 

 

Der Treibstoff

Wir wussten, dass der Benzinpreis im Iran günstig ist. Als wir das erste Mal an der Zapfsäule standen und den Preis erhielten, rechneten wir den Betrag um. Raphi meinte das hier etwas nicht stimmen kann – zu billig. Wir merkten dann, dass der Preis in Toman angegeben war. Also mussten wir noch eine Null dranhängen. Raphi rechnete wieder und meinte nochmals, das kann nicht stimmen – immer noch viel zu billig. Er fragte dann den Tankwart mehrmals nach ob der Preis wirklich korrekt ist. Der wiederum bestätigte mehrmals. Es war also wirklich wahr: für 10Liter bleifrei Benzin mussten wir ca. 1Euro bezahlen! Ab diesem Tag war das Tanken eine grosse Freude für uns. Eine Tankfüllung kostete uns jeweils Sage und Schreibe ca. 6 Euro. Was für eine Erleichterung für das Treibstoffkonto!

 

 

Los geht’s!

Nach einer erholsamen Nacht in der freien Natur, fuhren wir die erste Stadt namens Tabriz an. Wie immer, wenn wir in ein neues Land einfahren, müssen wir einige Punkte erledigen. Als erstes stand der Kauf einer Simkarte an. Es gab einige Shops für Mobilephones in der Stadt. Leider konnte niemand eine Simkarte anbieten, da es für Ausländer spezielle Regelungen gibt. Somit mussten wir zur Hauptzentrale des Kommunikationsanbieters fahren. Leider war ein Feiertag und wir mussten wieder einen Tag warten.

erster Schlafplatz im Iran

Während der Fahrt durch die Stadt wurden wir mit neuen Eindrücken bombardiert. Sehr spezielle Fahrzeuge mit noch viel speziellerem Fahrstiel konnten bewundert oder gefürchtet werden. Die Frauen waren vorwiegend in schwarze Tücher eingehüllt. Das weibliche Geschlecht so eingepackt und abgedeckt zu sehen, wirkte verstörend. Wir mussten auf unserer weiteren Reise jedoch feststellen, dass an diesem Datum kein Feiertag, sondern ein Trauertag für einen verstorbenen Propheten abgehalten wurde. Aus diesem Grund waren äusserst viele Frauen in Schwarz gehüllt.

Zum ersten Mal auf dieser Reise bemerkten wir, wie uns intensive Blicke zugewendet wurden. Am Anfang wussten wir nicht recht, was die Leute von uns hielten und fühlten uns etwas unwohl. Es kamen jedoch immer mehr Leute auf uns zu und begrüssten uns überfreundlich mit dem typischen – welcome to Iran. Uns wurde vermehrt Tee oder sogar Hausbesuche angeboten. Die Leute waren äusserst herzlich und begrüssten uns mit offenen Armen in ihrem Land. Die Blicke waren also eher interessierter und neugieriger Art. Unsere Stimmung lockerte sich und wir fühlten uns willkommen.

Um unsere Wartezeit zu überbrücken besuchten wir in Tabriz den grossen Bazar, welcher einer der grössten Irans sein soll. Der Bazar glich einem Labyrinth und wir verloren schnell den Überblick. Die Sprache Farsi sowie in Farsi zu lesen war uns natürlich auch nicht gerade geläufig. Mit Englisch, dem Translator auf dem Mobile oder zu guter Letzt mit Händen und Füssen, konnte man sich immer irgendwie verständigen. Einige Einheimische bemühten sich jedoch nicht um eine Übersetzung und redeten dann einfach in fliessendem Farsi weiter. Raphi antwortete dann einfach in fliessendem Schweizerdeutsch – irgendwie hatte sogar das zum gewünschten Ziel geführt! Einige Leute sprachen jedoch perfektes Englisch oder manchmal sogar Deutsch.

Nachdem wir unsere ersten Eindrücke gesammelt sowie alle Angelegenheiten in Tabriz erledigt hatten, verliessen wir die Stadt und fuhren Richtung kaspisches Meer weiter.

 

 

Der grüne Norden

Desto weiter wir Richtung kaspisches Meer fuhren, desto grüner wurde die Landschaft. Was für eine Wohltat nach dem wir uns so lange in kargen Gebieten aufhielten. Der Weg zum Nationalpark am kaspischen Meer war unendlich lange, so dass wir diesen erst in der Dunkelheit erreichten.

Ein verstricktes Wegnetz führte in den Park hinein. Die Dunkelheit, der Nebel und äusserst schlammige Wege erschwerten uns die Fahrt an den gewünschten Ort. Schlussendlich landeten wir auf einer stark verschlammten Piste. Guten Mutes fuhren wir im Dunklen durch die Schlammbäder. Nach längerer Fahrt durch den schwarzen Schlick, gab es immer noch keine Möglichkeit, einen Stellplatz für die Nacht zu finden. Auf Grund der zurückgelegten Strecke, war an einen Rückzug nicht mehr zu denken. Somit schlidderten wir weiter durch den Sumpf, in der Hoffnung nicht stecken zu bleiben. Nach einer gefühlten Ewigkeit endete der Weg und wir gelangten auf eine Wiese. Der dichte Nebel beschränkte die Sicht auf wenige Meter. Somit fuhren wir Blindlinks in das Unbekannte. Die Sicht änderte sich auch nach längerer Fahrt nicht. Da der Boden eben war und wir uns definitiv nicht mehr auf einem Weg befanden, entschieden wir uns stehen zu bleiben. Wir stellten den Motor ab, löschten alle Lichter und stiegen aus dem Bus. Starrten in den Nebeldunst, der die Dunkelheit umhüllte. Immer wieder blitzten durch den Nebel Augenpaare auf und verschwanden wieder. Wasserbüffel machten sich mit lautem Schnauben und Grunzlauten bemerkbar. Auch ein Schakal meldete sich mit seinem Gejaule, wobei darauf mehrere Artgenossen miteinstimmten. Das Gejaule und ächzen ähnelten einem schaurigen Hexengesang. Eine unglaublich elektrisierende und mystische Stimmung breitete sich aus. Obwohl wir so gut wie nichts sehen konnten, boten uns die Tiere eine akustische Abbildung des Tierparks. Noch beim Einschlummern horchten wir den Geräuschen der Tiere, welche uns selig in den Schlaf wogen. 

Am darauffolgenden Tag erkundeten wir diese Gegend bei Tageslicht. Wir entdeckten einen Fluss, an dem viele Einheimische ihr Glück beim Fischen versuchten. An einer idyllischen Stelle fanden wir einen geeigneten Platz, der zum Verweilen einlud. Raphi warf zwei Angelruten aus und lehnte diese an einen Stuhl. Während die Köder im Wasser trieben, widmeten wir unsere Zeit der Erstellung des Türkeiberichtes. Nach mehreren Stunden zeigten die Angelruten immer noch keinen Biss an. Raphi zog bei einer Rute den Köder ein und stellte sie zur Seite. Als er die zweite einzog, kam von weitem ein Motorrad entgegen. Zwei junge Kerle sassen darauf und näherten sich uns. Raphi begrüsste sie freundlich mit Salam. Auch sie grüssten mit einem Lächeln im Gesicht. Als sie mit ihrem Motorrad immer näherkamen, dachte Raphi, dass sie so langsam die Bremse betätigen müssen. In diesem Moment fuhren sie zügig zwischen ihm und dem Bus hindurch. Der Mitfahrer griff sich die deponierte Angelrute und sie rauschten in der Dämmerung davon. Barfuss rannte Raphi ihnen schreiend hinterher, ohne Erfolg. Die Angelrute war weg. Was für ein Mist. Nach diesem Vorfall packten wir unsere sieben Sachen und suchten einen Schlafplatz an einem abgeschiedenen Ort, wo uns niemand aufsuchen konnte.

Am nächsten Tag entschieden wir den Norden bereits zu verlassen. Über grüne Berglandschaften fuhren wir weiter Richtung Hauptstadt Teheran. In der Stadt mussten wir das Visum für Indien beantragen.

 

 

Hauptstadt Teheran

Ausserhalb von Teheran fanden wir in einer hügeligen Umgebung einen Stellplatz. Dieses Gebiet schien bei einheimischen Offroadern jeder Gattung, beliebt zu sein. Wir beobachteten von Weitem das bunte Treiben und sahen einem Motocrossfahrer zu, der gekonnt den Steilhang hinaufgeschossen kam. Erstaunt schauten wir ihm hinterher und merkten relativ schnell, dass es sich hier um keinen Amateurfahrer handeln kann. Kurz darauf kam er bei uns vorbei und stellte sich als Daryoosh vor. Daryoosh ist 10facher iranischer Landesmeister im Motocross. Kurzerhand lud er uns am nächsten Tag für eine Runde Motocross fahren ein. Die Einladung nahmen wir dankend an und verbrachten einen amüsanten Vormittag mit ihm.

Wie so oft werden Grossstädte nur aus zwingenden Gründen von uns besucht. In diesem Fall war die Visumsbeschaffung ausschlaggebend. Die indische Botschaft in Teheran überraschte mit ihrem perfekten Auftritt. Die Beantragung lief reibungslos ab, jedoch benötigten sie für das Ausstellen des Visums ganze zwei Wochen. Wobei wir auch die Pässe für diese Zeit dort deponieren mussten. Da wir nicht so lange in Teheran verweilen wollten, bestand die Möglichkeit, die Pässe mit dem Visum in eine andere Stadt senden zu lassen. Die Dame am Schalter versicherte uns, dass unsere Pässe am Zielort eintreffen werden. Sie meinte, Reisepässe gingen bei ihnen noch nie verloren. Da sie uns einen seriösen Eindruck machte und wir weiterreisen wollten, willigten wir ein.

 

 

Verschnaufpause

Im Iran bereisten wir die 3. Zeitzone auf unserer Reise und mussten die Uhren erneut umstellen. Die Tage wurden kürzer und die Dunkelphasen länger. Die Temperaturen fielen immer tiefer. Dadurch konnten wir die Abende nicht mehr ausserhalb des Fahrzeuges geniessen. Nadine empfand die erste Zeit im Iran äusserst intensiv. Die vielen Eindrücke, die dauernd präsenten und neugierigen Einheimischen, die nervigen Kleidervorschriften sowie Tag für Tag weiterreisen, strapazierten ihr Gemüt. Um die Negativspirale nicht noch weiter voran zu treiben, beschlossen wir uns ein ruhiges Plätzchen in der erholsamen Natur zu suchen. Nach längerer Suche fanden wir einen paradiesischen und abgelegen Platz im Wüstenrandgebiet der Dasht e Kavir. Wir verbrachten mehrere Tage an diesem zauberhaften Ort. Die Einsamkeit, die Ruhe und die wundervolle Umgebung genossen wir in vollen Zügen. Nach diesen Tagen fühlte sich Nadine wieder reisebereit und wir fuhren weiter Richtung Süden.

 

 

Die Wüste Kavir

Wie bereits geschrieben, befanden wir uns in der Nähe der Wüste Kavir. Wüstenfahrten gehörten zum obersten Ziel auf der Iranreise. Schon einmal durchquerten wir, mit einem anderen Fahrzeug, den Kontinent Australien und dessen Outback. Das Outback ist zwar durch und durch eine Wüstenlandschaft, jedoch haben die meisten Gebiete nicht viel gemeinsam mit einer reinen Sandwüste. Ebenfalls waren wir schon öfters mit unserem Bus auf dem Sand unterwegs. Jedoch waren das kleinere Abschnitte auf Stränden oder Wegen in Europa. Wir wussten daher, dass unser Allradkonzept grundsätzlich auf sandigem Grund funktioniert. Sanddünen und unglaubliche Weiten in einer riesigen Wüste zu durchqueren, ist dann doch eine ganz andere Nummer und Neuland für uns und unseren T3ipster.

Bevor das Abenteuer losging, fuhren wir in die Zivilisation und füllten all unsere Vorräte auf. Voller Vorfreude und gespannt auf das Unbekannte, nahmen wir Kurs Richtung Wüstengebiet. Am Anfang der Sandzone türmten sich die ersten Dünen auf. Ein riesiger Vergnügungspark für Offroadbegeisterte öffnete sich und hunderte Einheimische sowie etliche Fahrzeuge waren zu sehen. Alles was sich irgendwie auf sandigem Grund bewegen konnte, fuhr umher. Ein Wahnsinns Spektakel für Gross und Klein! Da wir jedoch die Nacht in Ruhe verbringen wollten, fuhren wir auf den Sandpfaden weiter in das Wüstengebiet hinein. Auf einmal schrie Raphi völlig begeistert auf: schau, sieh doch, da hinten sind Kamele zu sehen! Wir sahen von weitem grosse Tiere auf einer Steppe stehen und gingen davon aus, dass es sich nicht um Milchkühe handelte. Mit dem Feldstecher überprüften wir das Ganze und siehe da: es waren keine Kamele – dafür aber Dromedare! Wir näherten uns langsam und vorsichtig, wir wollten sie auf keinen Fall verjagen. Von weitem schossen wir mit dem Teleobjektiv einige Fotos. Danach näherten wir uns weiter zu Fuss. Die Dromedare waren überhaupt nicht scheu und schon fast zutraulich. Schlussendlich konnten wir sie sogar streicheln. Nach diesem Erlebnis schwebten wir auf Wolke sieben. Das Ganze war irgendwie surreal – mit dem eigenen Fahrzeug in einer Wüste, weit weg von zu Hause und entdecken Grosswildtiere in freier Wildbahn. Ein solches Erlebnis kann man definitiv mit keinem Zoobesuch vergleichen – so schnell werden wir das nicht mehr vergessen, Wahnsinn! Mit einem Gefühlshoch setzten wir uns wieder in den Bus und fuhren weiter.

Die Sonne ging langsam unter und die Suche nach einem Übernachtungsplatz stand an. Mit stark abgesenktem Reifendruck verliessen wir den Sandpfad Richtung Nordost. Wie erwartet gleitete unser Büsli über den weichen Untergrund. Eine unglaubliche Weite öffnete sich uns und wir surften Richtung Horizont.

Raphi investierte fast 2000 Arbeitsstunden in die Restaurations- und Ausbauarbeiten am T3. Als Antrieb und Motivation bei den Arbeiten, dachte er immer an solche Momente, wie wir sie gerade erlebt hatten. Ein unglaublich dankbares Glücksgefühl machte sich breit, als er merkte, dass ein sehr fernes Ziel tatsächlich Realität wurde. Nach so vielen Jahren der Schrauberei ist der Plan tatsächlich aufgegangen – unbezahlbar!

Wir verbrachten drei Nächte in der Wüste, davon eine auf einem ausgetrockneten Salzsee. Diese Umgebung war für uns eine Oase der Ruhe umkreist von einer unfassbaren Natur. Zu Fuss erklommen wir die grossen Dünen und sahen in die nicht endende Weite. Die klaren Nächte liessen die unzähligen Sterne in voller Pracht funkeln. Zudem trafen wir auf eine Gruppe Einheimische, die uns spontan zu ihrem Wüsten-Camp einluden. Die Gruppe war sehr offen. Sie weihten uns in ihre Musik- und Tanzkünste ein. Hier können sie sich kleiden wie sie es für richtig halten. Die jungen Frauen geniessen das Gefühl von frischem Wind, der durch die Haare weht. Auch das männliche Geschlecht freut sich bei diesen Temperaturen kurze Hosen tragen zu können. Diese Rückzugsgebiete sind für Jung und Alt äusserst wichtig, um der starken Unterdrückung im Alltag zu entfliehen. Hier finden sie ein Stück Freiheit wonach sich alle in diesem Land zu sehnen scheinen.

 

 

Kashan

Nach der Wüste verbrachten wir zwei Tage in der nahegelegene Stadt Kashan. Die Stadt überraschte uns mit ihren Jahrhundertalten erbauten Häuser sowie dem ältesten persischen Garten «Fin Garden». Stundelang schlenderten wir durch die Gassen und versuchten das Flair dieser Stadt auf Fotos einzufangen

 

 

Isfahan

Uns zog es weiter in die Stadt Isfahan, welche für ihre architektonischen Meisterleistungen bekannt ist. Die Ruhe, die wir in der Wüste und der Stadt Kashan erlebten, war hier wie weggeblasen. Wir konnten uns kaum bewegen, ohne dass uns jemand ansprach. Permanent wurden Selfies gefordert oder Gespräche gesucht, um die gelernten Englischkenntnisse anzuwenden. Mehrfach wurde uns auch Tee, Hausbesuche oder Hilfe angeboten. Im Bazar trafen wir erstaunlich oft auf deutschsprechende Händler, insbesondere die Teppichverkäufer. In gutem selbsterlerntem Deutsch zeigten sie stolz die verschiedenen Teppicharten und erklärten die unterschiedlichsten Symbole. Natürlich hegten sie die Hoffnung, dass wir nicht ohne Teppich den Bazar verlassen würden. Es war überraschend interessant, mehr über die Teppichwelt zu erfahren. Da es uns in dieser Stadt definitiv an Raum und Ruhe fehlte, entschieden wir uns weiter zu ziehen.

 

 

Auf Umwegen nach Yazd

Da wir gefallen an der Wüste fanden, machten wir uns auf Umwegen Richtung Wüstenstadt Yazd auf. Wir durchquerten einmal mehr eine faszinierende Umgebung. Eine Kombination aus Sand, farbigen Bergen und Oasen liessen uns immer wieder staunen.

Neben der asphaltierten Strasse türmten sich etliche kleinere Dünen auf. Da juckte es uns natürlich unter den Nägeln, über die sandigen Hügel zu gleiten. Um das Spektakel bildlich festzuhalten, liess Raphi die Drohne steigen und Nadine setzte sich hinter das Steuer. Eine Weile ging die Fahrt durch den Sand ganz gut. Doch ein Abschnitt, mit der Konsistenz von Backpulver, liess den Syncro schlagartig einsinken. Eine Weiterfahrt war unmöglich. Bewaffnet mit Schaufel und Sandbrettern versuchten wir uns aus dieser misslichen Lage zu befreien. Wir buddelten, schaufelten, buddelten und schaufelten. Doch das einzige was rollte, waren die Schweisstropfen. Was für ein Glück das auf der wenig befahrenen Strasse, Einheimische auf dem Weg zu einem Wüsten-Picknick waren. Vater und Sohn kamen uns zur Hilfe. Obwohl sie kein Englisch sprachen, konnten wir uns irgendwie verständigen. Mit ihrer Hilfe kämpften sich die Räder Stück für Stück aus dem sandigen Käfig und befreiten sich aus der unglücklichen Situation. Ohne die Hilfe von ihnen, hätte es wahrscheinlich Stunden gedauert. Als wir uns unendlich dankbar von ihnen verabschiedeten, luden sie uns spontan zu ihrem Picknick ein. Ein Stück weiter vorne versammelte sich bereits die ganze Familie. Wir verbrachten, ohne ein Wort kommunizieren zu können, einen wundervollen und eindrücklichen Nachmittag mit ihnen.

 

 

Der Start eines Shutdowns

Zurück in der Zivilisation und kurz vor Yazd, tankten wir unseren Bus wieder auf. Doch dieses Mal verlangte der Tankwart das Dreifache des üblichen Preises. Da wollte uns wohl jemand über den Tisch ziehen. Wir hatten schon ähnliche Situationen, in denen von uns horrende Preise verlangt wurden. Erst kürzlich wollte der Besitzer einer Waschanlage 50 Euro für die Autowäsche, die wir so gut wie selbst durchführten. Nach langer Verhandlung zahlten wir dann 6 Euro – immer noch zu viel. So waren wir auch hier nicht bereit, diesen Betrag zu bezahlen. Der Tankwart wurde gegenüber Raphi immer lauter und aufbrausender. Natürlich war es wegen den fehlenden Sprachkenntnissen schwierig sich sachlich verständigen zu können. Schlussendlich verstanden wir, dass die Benzinpreise von der Regierung um das Dreifache erhöht wurden. O.k, so sah die Situation natürlich schon ganz anders aus und wir bezahlten den Betrag. Er berichtete zudem, dass drei Tankstellen angezündet wurden und es in anderen Städten Unruhen gab. Er sah uns etwas besorgt an und meinte wir sollen gut auf uns aufpassen!

Im Internet fanden wir die Information, dass der Iran die Benzinpreise erhöhte. Von Unruhen war nichts zu lesen, was uns beruhigte. Später erfuhren wir jedoch, dass die Regierung den Informationsfluss kontrollierte und vorgab was in den heimischen Medien erscheinen darf und was nicht.

In Yazd angekommen, konnten wir den angegeben Weg des Navis nicht fahren, da sich unzählige Mensch auf der Strasse versammelten. Den Ratschlägen von Admin.ch haben wir noch selten grosse Beachtung geschenkt. Doch der eine Spruch war doch ganz einleuchtend: Halten Sie sich von Menschenansammlungen fern! So wendeten wir unseren Bus und fuhren durch kleinste Gassen zu unserem Ziel. Beim Silkroad-Hotel wussten wir, dass wir dort auf dem Parkplatz campieren durften.

An diesem Nachmittag erfuhren wir, dass es tatsächlich Unruhen gab sowie Banken und Tankstellen angezündet wurden. In Yazd schien es noch ruhig herzugehen. Auch von der angesammelten Menschenmasse hörte man kaum was. So erkundeten wir Yazd zu Fuss. Auf einer der unzähligen Dachterrassen eines Kaffees machten wir es uns gemütlich und wärmten uns mit Tee auf. Wir sahen dem Sonnenuntergang entgegen, genossen die Stille und konnten uns kaum vorstellen, dass der Iran von Unruhen heimgesucht wurde. Doch noch am selben Abend wurde das ganze Land vom Internet und somit von der Aussenwelt abgekapselt. Ein Schachzug der Regierung, um das Volk an einer einfachen Kommunikation zu hindern sowie das Aufrufen von Demonstration zu schwächen. Dadurch wurde das Verbreiten von Bildern und Videos der aktuellen Geschehnisse wirksam unterdrückt. Der Rest der Welt wird dadurch erst in einem späteren Zeitpunkt erfahren, was sich eigentlich abspielte. Wie lange der Internet-Shutdown anhalten würde, wusste niemand.

 

 

Auf nach Kerman

Wir waren immer noch ohne unsere Pässe unterwegs. Irgendwie hatten wir ein ungutes Gefühl, uns anhand der aktuellen Umstände nicht ausweisen zu können. Ohne Internet konnten wir auch nicht prüfen, ob diese bereits nach Kerman versendet wurden. So entschieden wir uns direkt nach Kerman zu fahren. Mit der Hoffnung, dass unsere Pässe wohlbehalten eingetroffen sind.

Die Bilanz war jedoch ernüchternd. Unsere Pässe waren immer noch in Teheran. Dort herrschte das absolute Chaos. Demonstrationen, Streiks sowie gesperrte Strasse legten ganze Stadtviertel lahm. Auch würde bald unser Iran-Visum auslaufen, dass nur mit dem originalen Pass verlängert werden kann – was für ein Durcheinander. Wir hatten Glück, das wir auf Jalal, ein deutschsprechender Iraner trafen. Er kommunizierte für uns mit der indischen Botschaft in Teheran. Die einzige Möglichkeit war, dass die Pässe per Flugzeug nach Kerman eingeflogen werden. Wir schöpften Hoffnung, glaubten jedoch noch nicht daran, dass dies tatsächlich funktionieren würde. Zwei Tage später erhielten wir den erlösenden Anruf. Unsere Pässe trafen tatsächlich bei Jalal zu Hause ein. Am Folgetag konnten wir somit auch unser Iran-Visum um weitere 30 Tage verlängern.

Während unserem Aufenthalt in Kerman, campierten wir im Hinterhof des Akhavans Hotel. Die Unruhen hielten in anderen Teilen Irans immer noch an. Von dem Hotelmanager erhielten wir zwischendurch Neuigkeiten. Die Anzahl der Verletzten, Verhafteten und Toten stieg von Tag zu Tag an. Wir waren zwar unzählige Kilometer von den Geschehnissen entfernt, trotzdem herrschte eine drückende Stimmung. So war es eine willkommene Aufmunterung, als wir im Hotel auf weitere Overlander trafen.

Wir entschieden uns zusammen mit Lizi, Martin und Susi aus Österreich sowie mit Michèle und Silvan aus der Schweiz nach Keshit zu fahren. Auf dem Weg dorthin wurden wir von Schneegestöber und einer eisernen Kälte überrascht. Wir liessen das kalte Wetter hinter uns und erreichten Stunden später eine Oase am Rande der Wüste Lut. Unter Palmen parkierten wir unsere Fahrzeuge. Fernab von den Unruhen genossen wir zwei Nächte in bezaubernder, orientalischer Umgebung. Wir verbrachten die Abende am Lagerfeuer, genossen die guten Gespräche, die lebhaften Reiseerlebnisse sowie das leckere Essen.

Lizzi, Martin und Susi zog es weiter in den Süden. Sie waren auf dem Weg in den Oman. Einmal mehr verabschiedeten wir uns von liebgewonnen Menschen.

 

 

Die Wüste Lut

Für uns stand das letzte Reiseziel im Iran an. Eine der spektakulärsten Wüsten überhaupt – die Dasht e Lut. Mehrere Hundert Meter hohe Sanddünen und eine unglaubliche Landschaft erwarteten uns. Mit Michèle und Silvan machten wir uns auf den Weg nach Shadad. Von dort startet das Abenteuer in die Lut.

Das Fahrzeug von Michèle und Silvan ist kein Allradfahrzeug und somit war eine Fahrt in die Wüste unmöglich. Nur mit unserem Bulli zu viert in die Wüste zu fahren, war aus gewichtstechnischen Gründen auch nicht machbar. Zudem brauchten wir ein Fahrzeug, das uns im Notfall bergen konnte. So entschieden wir uns die Wüste mit einem lokalen Guide und einem 2. Allradler zu erkunden. Sahid aus Shadad begleitete uns somit die nächsten 5 Tage. Spontan wurden wir von Sahid zum Abendessen eingeladen. Bei leckerem iranischem Essen verbrachten wir einen gemütlichen Abend mit seiner Familie. Wir durften direkt vor seinem Haus übernachten sowie seine sanitären Anlagen benutzen.

Am nächsten Tag machten wir uns mit gefülltem Kühlschrank, genügend Wasser- sowie Brennholzvorräten und randvollen Benzintanks auf den Weg Richtung Wüste. Wir haben schon davon gehört, dass die Wüste unglaublich schön sein muss. Doch niemals hätten wir erwartet, dass sie nebst solch einer Schönheit, derart einzigartig und so vielfältig ist. Jeder Tag war gefüllt mit neuen Naturspektakeln. Wir fuhren an beeindruckenden Kalksteinformationen vorbei, die durch Wind und Sand geformt wurden. In der Wüste sahen wir sternenförmige Sanddünen, die sogenannten Starhills. Wir schlenderten durch den Snake-Canyon. Surften mit unserem Bulli auf softem Sand, glitten steile Dünen hinunter, kämpften uns wiederum Steilhänge hinauf und blieben das eine oder andere Mal stecken. Wir fuhren an einer Stelle vorbei, wo sich das Wasser sammelt und den «See» wie ein persisches Auge aussehen lässt – the eye oft the Lut Desert. Die Aussicht von den bis zu über 400m hohen Sanddünen, war atemberaubend schön. Unser Nachtlager schlugen wir meist an einem windgeschützten Ort auf. Am Lagerfeuer wurde gekocht, gelacht, geschwatzt, dem Knistern des Feuers gelauscht oder einfach nur in den imponierenden Sternenhimmel geschaut. Die Sterne fühlten sich zum Greifen nah an und boten immer wieder ein funkelndes Spektakel.

Sahid der Wüstenfux

Snake Canyon

Eye of the Lut

sternenförmige Sanddünen

Nach 5 Tagen verliessen wir die beeindruckendste Naturlandschaft, die wir jemals gesehen haben. Angekommen bei Sahid gönnten wir uns eine heisse Dusche und genossen nochmals einen Abend mit seiner Familie.

Überglücklich über das Erlebte, fielen wir in einen tiefen Schlaf. Wir konnten uns von dieser Umgebung noch nicht lösen.

So füllten wir erneut unsere Vorräte auf und fuhren nochmals zu den Kaluts. Auch besuchten wir den heissesten Punkt der Welt – Gandom Beryan. Ein Plateau, dass mit dunklen Lavasteinen überzogen ist. Im Sommer wird es hier über 70° heiss. Schon wieder waren 5 Tage im Nu vergangen. Nach insgesamt 14 Tagen verabschiedeten wir uns definitiv von dem Wüstengebiet Lut – hoffentlich sehen wir uns noch einmal in diesem Leben!

 

 

Zurück in Kerman

Nach dieser unvergesslichen Zeit strandeten wir wieder in Kerman. Wir waren erleichtert zu hören, dass die Unruhen vorbei waren und das Internet wieder funktionierte. Endlich konnten wir uns auch wieder bei unseren Liebsten melden und berichten was eigentlich los war.

Wir verbrachten noch einige Tage in Kerman. Der Bus musste ordentlich gereinigt werden, denn in jeder kleinsten Ritze machten sich Sandkörner breit. Auch die eine oder andere Reparatur stand an. Dringendst nötig war eine neue Hupe, denn die des T3’s hatte vor ein paar Wochen den Geist aufgegeben. Bis dahin wussten wir nicht, wie gefährlich ein Leben in orientalischen Ländern, ohne Signalhorn sein kann.

Silvan und Michèle verabschiedeten sich von uns, um den Süden des Irans zu entdecken. Vielleicht sieht man sich wieder einmal in Davos zum Skifahren!

Auf dem Weg nach Kerman, fahren wir an mehreren Unfällen vorbei.

Museumststück Mercedes Kurzhauber

 

 

Auf dem Weg zur Grenze Iran-Pakistan

Unsere Zeit im Iran neigte sich dem Ende zu und ein weiteres unbekanntes Land stand vor der Tür. So machten wir uns auf den Weg nach Zahedan, um dort die letzte Nacht im Iran zu verbringen. Wir haben zudem mit Hamid abgemacht. Er hilft den Touristen mit dem ganzen Papierkram an der Grenze. Unerwartet gerieten wir auf dem Weg nach Zahedan in einen Sandsturm. Die Strasse wurde gesperrt und wir verspäteten uns um einige Stunden – typisch Schweizer!

 

 

Fazit Iran

Der Iran war für uns das erste richtig fremde Land auf unserer Reise. Wir wussten nicht was uns erwarten würde. Mehrmals wurden wir äusserst positive von dem für uns, unbekannten Land überrascht. Doch die religiöse Führung des Staates und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung hinterliess einen fahlen Beigeschmack.

Das Volk wird seit 40 Jahren stark unterdrückt und streng kontrolliert. Einem iranischen Landsmann werden derart grosse Steine in den Weg gelegt, dass es fast unmöglich erscheint, das eigene Land zu verlassen. Spitzel und andere Aufpasser der Regierung sind bunt unter das Volk gemischt. Gespräche über die Landesführung und allgemeine Lebenszustände konnten oft nur hinter vorgehaltener Hand oder in Privaträumen durchgeführt werden. Die Angst vor einer Abhörung war allgegenwärtig. So mussten sich unsere Nachbarn wohl in der guten alten Stasizeit gefühlt haben!

Den Frauen wird noch viel mehr vorenthalten und aufgesetzt als den Männern. Strenge Kleidervorschriften müssen tagtäglich eingehalten werden. Da das Gesicht das einzige ist, was andere in der Öffentlichkeit sehen können, legen sie grossen Wert auf ein perfektes Erscheinungsbild. So sind sie oft stark geschminkt. Ist die Nase zu gross oder sitzt sie nicht so wie sie sollte, unterziehen sie sich sehr oft einer Nasenoperation. Doch nebst den Kleidervorschriften, wird auch vorgeschrieben, welche Sportarten sie in der Öffentlichkeit ausüben dürfen. Fahrrad fahren ist zum Beispiel verboten. Laufen ist hingegen erlaubt, jedoch nur in bedeckter Kleidung.

Während unserer Reisezeit im Iran spürten wir verstärkt, dass der Mann als Ansprechperson und alleiniger Entscheidungsträger gilt. Bei einer Begrüssung wird in der Regel nur dem Mann die Hand geschüttelt. Nadine erlebte oft, dass ihr zur Begrüssung die Hand nicht gegeben oder sie erst gar nicht beachtet wurde.

Hinter den eigenen Wänden oder in der freien Natur wird mit all den Verboten und Vorschriften viel lockerer umgegangen. So wird das eine oder andere Glas Alkohol getrunken und sich so angezogen, wie es einem gerade passt.

Doch das Volk leidet. Wir trafen auf Menschen, die voller Wehmut waren, da sie keinerlei Perspektiven in ihrem Leben sehen. Männer, die den Tränen nahe waren, weil sie keine Hoffnung mehr für ihr Land haben. Menschen, die brennend mehr von der Welt sehen möchten. Die Reisen der Iraner beschränken sich aber oft auf digitalen Reisewegen, die zusätzlich durch die Internetrestriktion noch eingeschränkt sind. Wir trafen auf Frauen, die ihr eigenes Land hassen. Zum ersten Mal hörten wir in unserem Leben einen Menschen rufen: I hate my country!

Umso erstaunlicher war es, dass wir gerade von diesen Menschen, denen so vieles vergönnt wird, so willkommen geheissen wurden. Täglich wurden wir mit einem herzlichen «welcome to Iran» aufs Neue begrüsst. Die Iraner waren sehr gastfreundlich und hilfsbereit, manchmal sogar ein bisschen zu hilfsbereit. Das Land hat landschaftlich und kulturell so vieles zu bieten. Von tropischen Vegetationen im Norden, über eine unglaublich atemberaubende Wüstenlandschaft im Inland, bis zu farbenfrohen Landstrichen, die an den Persischen Golf grenzen. Ebenso beeindruckend waren die islamischen Bauten in den unzähligen historischen Städten.

Wir wünschen dem iranischen Volk einen baldigen Wechsel der religiösen Landesführung. Was hoffentlich zu mehr Freiheit in ihrem Leben führt und sie die Möglichkeit bekommen, den Rest der Welt, ausserhalb des wunderbaren Irans zu erkunden. Von einer stabilen Wirtschaftslage, die eine solide Basis für geschäftstüchtige Menschen bietet, wollen wir hier mal ganz absehen.

 

CHELI MAMNUN PERSIA!